Anna atmet tief durch. Wow, ist das heiß. Kurzerhand macht sie sich einen Espresso auf Eis, mit etwas kalt aufgeschäumter Milch. Damit setzt sie sich in die Küche, schaut aus dem Fenster und hält das Glas in der Hand.
Wir sind heute allein. Alle drei Kinder sind unterwegs. Was mache ich denn zum Abendessen?
Auf etwas Großes hat Anna wirklich keine Lust. Andererseits soll es auch nicht gerade 08/15 sein. Nicht heute. Wenn sie schon einmal zu zweit in Ruhe essen können – vielleicht sogar mit einem Gläschen Weißwein –, dann darf es ruhig etwas Besonderes sein. Aber bitte ohne großen Aufwand.
Anna steht auf und öffnet den Kühlschrank. „Schaun ma mal …“
Da liegt sie: eine Burrata. Perfekt. Cherrytomaten hat sie auch noch. Dazu grüner Spargel und Hühnerbrust. Beides kann sie schnell besorgen. Anna muss sowieso noch zum Paketshop. Auf dem Weg kommt sie mit dem Radl am Gemüsehändler und am Metzger vorbei.
Gedacht, getan.
Knapp eine Stunde später ist Anna wieder zu Hause. Sie richtet den Spargel her, zupft die Cherrytomaten von den Rispen und wäscht sie. Da fällt ihr ein, dass sie das Abendessen auch draußen unter dem Baum genießen könnten. Dort ist es um diese Uhrzeit noch angenehm schattig. Die frühe Abendsonne ist schließlich immer noch kräftig.
Der Tisch steht schon unter dem Baum. Anna deckt den Tisch mit Besteck, gefalteten Servietten, Wein- und Wassergläsern. Ja, den Weinkühler holt sie auch gleich noch und den Weißwein stellt sie zum Kühlen in den Kühlschrank.
Heute nur wir zwei, denkt sie und lächelt.
Die Hühnerbrust bereitet Anna im Airfryer zu. Sie findet, dass das Fleisch darin schön saftig bleibt. Je nach Größe und Dicke braucht es ungefähr zehn bis fünfzehn Minuten bei 190 Grad. Vorher besprüht sie die Hühnerbrust mit etwas Olivenöl und würzt sie mit Paprikapulver, frisch gemahlenem Pfeffer und Salz. Dieses Mal kommt noch etwas Chipotle-Gewürz dazu. Den Spargel sautiert sie in einer Pfanne mit Olivenöl. Kurz darauf gibt sie die Cherrytomaten dazu. Ein kleiner Löffel Honig sorgt dafür, dass alles leicht karamellisiert. Dann löscht Anna mit mildem Balsamicoessig ab und schmeckt noch einmal ab.
Fertig.
Anna wirft einen Blick auf den Tisch. Klar, Kerzen fehlen. Sie holt schnell noch eine passende Kerze und stellt sie in die Mitte des Tisches. Der Wein ist kalt. Perfekt.
„Hallo“, hört sie da.
„Ach, super. Perfektes Timing.“ Anna strahlt Markus an. Sie nimmt die Weinflasche aus dem Kühlschrank und drückt sie ihm in die Hand. „Komm, mach den Wein bitte gleich auf. Das Essen ist fertig. Ich richte schon alles an. Wir essen draußen, unter dem Baum.“
„Okay.“ Markus schaut sie fragend an. „Ach ja, die Kinder sind alle unterwegs?“
„Ja“, sagt Anna und muss lachen. „Wir sind allein.“
Anna richtet die Teller hübsch an. Erst der Spargel mit den Cherrytomaten, die Hühnerbrust geschnitten schön drapiert und darauf als Krönung der Burrata. Ein wenig Balsamicocreme darüber. „Sieht ja auch hübsch aus“, denkt sich Anna und ein paar Tropfen vom guten Trüffelöl,
Markus öffnet den Wein, während Anna das Essen nach draußen trägt. Wenig später sitzen sie unter dem Baum. Die Luft ist noch warm, aber im Schatten lässt es sich gut aushalten. Sie stoßen an und erzählen sich von ihrem Tag.
Es sind diese kleinen Momente, die Anna besonders kostbar findet. Kein Kind ruft aus dem Nebenzimmer. Niemand muss noch schnell zum Training gebracht oder irgendwo abgeholt werden. Kein „Was gibt es heute?“ und kein Blick auf die Uhr.
Nur sie beide. Ein Teller mit Spargel, Tomaten, Burrata und gebratener Hühnerbrust. Ein Glas Wein. Und ein bisschen Ruhe. Einfach, und doch etwas Besonderes.
Immer wieder nimmt sich Anna vor, dass sie öfter zu zweit zu Abend essen sollten. In Ruhe. Ohne nebenbei Brotdosen zu richten oder schon den nächsten Termin im Kopf zu haben.
Aber der Alltag lässt das nicht immer zu. Oder vielleicht lässt Anna zu, dass der Alltag sie vereinnahmt. Beides stimmt wahrscheinlich ein bisschen.
Nun gut, denkt sie und nimmt noch einen Schluck Wein. Heute ist es wunderbar.
Bald kommen die Kinder nach Hause. Eins nach dem anderen. Und Anna freut sich jetzt schon auf ihre Geschichten.
